„No Mow May“ ist eine wunderbare Initiative für mehr Natur im eigenen Garten, die ursprünglich aus Großbritannien stammt (von der Organisation Plantlife) und mittlerweile auch bei uns immer mehr Fans findet.
Was steckt dahinter?
Die Idee ist denkbar simpel: Lass deinen Rasenmäher im gesamten Monat Mai einfach im Schuppen stehen. Anstatt den Rasen auf englische Teppich-Länge zu trimmen, lässt du das Gras und die Wildblumen einfach wachsen. Der Mai ist nämlich die Zeit, in der die Natur so richtig explodiert und viele Insekten aus dem Winterschlaf kommen oder schlüpfen.
Warum macht man das?
Es geht vor allem um den Schutz der Artenvielfalt:
- Nahrungsquelle: Löwenzahn, Gänseblümchen und Klee sind die erste wichtige Nahrung für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Kurzer Rasen bietet ihnen quasi eine „grüne Wüste“ ohne Nahrung.
- Lebensraum: Im längeren Gras finden Käfer und andere Nützlinge Schutz vor Hitze und Fressfeinden.
- Wasserschutz: Längeres Gras beschattet den Boden besser. Das bedeutet, dass die Feuchtigkeit nicht so schnell verdunstet und dein Garten auch bei ersten Hitzeperioden länger grün bleibt.
Tipps für die Umsetzung
Wenn du nicht den ganzen Garten verwildern lassen möchtest, gibt es auch „sanfte“ Varianten:
- Insel-Lösung: Mähe nur die Wege, die du wirklich benutzt, und lass den Rest stehen. Das sieht sogar richtig schick und gepflegt aus (man nennt das oft „ordentliche Unordnung“).
- Staffel-Mähen: Mähe nur Teile des Gartens, damit immer irgendwo etwas blüht.
- Die „Angst“ vor Zecken: Ja, im hohen Gras sitzen eher Zecken. Wenn du Kinder oder Hunde hast, kannst du die Spielbereiche kurz halten und nur die Randbereiche für die Natur reservieren.
Was passiert nach dem Mai?
Anfang Juni kannst du dann wieder zum Mäher greifen. Idealerweise stellst du die Schnitthöhe beim ersten Mal etwas höher ein, damit die Bewohner des Grases eine Chance haben, sich in Sicherheit zu bringen.
Warum kann sich die Landwirtschaft nicht am „no mow may“ beteiligen?
Das ist eine berechtigte und wichtige Frage! Während der „No Mow May“ für den heimischen Garten eine tolle Sache ist, lässt er sich auf die professionelle Landwirtschaft – und speziell auf die Futtergewinnung – kaum übertragen.
Hier sind die Hauptgründe, warum Landwirte im Mai meistens trotzdem mähen müssen:
1. Der Energiegehalt des Futters
In der Landwirtschaft ist der Zeitpunkt der Mahd entscheidend für die Qualität des Futters (Heu oder Silage).
- Das Zeitfenster: Gräser und Kräuter haben den höchsten Energie- und Proteingehalt kurz vor oder zu Beginn der Blüte.
- Verholzung: Wartet der Landwirt bis Ende Mai, lagert die Pflanze vermehrt Lignin (Holzstoff) ein. Das Futter wird für Kühe schwer verdaulich und verliert drastisch an Nährwert. Ein „No Mow May“ würde also bedeuten, dass das Winterfutter minderwertig wäre.
2. Die Bestockung und das Nachwachsen
Landwirtschaftliche Flächen müssen meist mehrmals im Jahr geerntet werden (3 bis 5 Schnitte sind üblich).
- Der frühe erste Schnitt regt die Pflanzen dazu an, neue Seitentriebe zu bilden (Bestockung).
- Wartet man zu lange, unterdrücken die hohen Obergräser die wertvollen Untergräser und Kräuter. Ein später Schnitt im Mai könnte den Ertrag der folgenden Schnitte im Sommer gefährden.
3. Unterschiedliche Zielsetzungen
- Garten: Hier geht es um Biodiversität auf kleiner Fläche und optische Vielfalt. Ein bisschen „Wildnis“ schadet niemandem.
- Landwirtschaft: Hier geht es um Ertragssicherheit und Tierwohl. Die Tiere im Stall sind auf hochwertiges, sauberes Futter angewiesen, um gesund zu bleiben und Leistung (Milch/Fleisch) zu erbringen.
