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Tropilaelaps: Wachsamkeit statt Panik

Tropilaelaps: Wachsamkeit statt Panik

Infografik Tropilaelaps Milbe

Tropilaelapsmilben sind in Österreich bisher nicht nachgewiesen, ihr Auftreten ist aber meldepflichtig. Da sich Tropilaelaps in den letzten Jahren in Richtung Europa ausgebreitet hat, ist eine gute Früherkennung wichtig. Die Milbe ist kleiner und schneller als Varroa und hält sich besonders in der Brut auf. Deshalb reichen klassische Varroa-Methoden wie Alkoholwäsche oder Puderzuckerprobe allein nicht aus. Wichtig sind Brutkontrolle, Bodeneinlagen und ein geschulter Blick auf lückenhafte oder geschädigte Brut.

Der OÖ Landesverband empfiehlt: keine Bienen, Königinnen, Ableger oder gebrauchtes Material aus Risikogebieten verbringen. Bei Verdacht nichts vom Stand entfernen, Fotos machen, Probe sichern und unverzüglich die zuständige Amtstierärztin bzw. den zuständigen Amtstierarzt verständigen.

Tropilaelaps: Die aggressive Gefahr für das Bienenvolk

Äußerliche Merkmale und Bewegung

  • Größe und Form: Die Tropilaelaps-Milbe ist mit etwa 1 mm Länge und 0,5 mm Breite deutlich kleiner und entspricht nur etwa einem Drittel der Fläche einer Varroa-Milbe. Während die Varroa eher oval, scheibenförmig und breiter als lang ist, hat die Tropilaelaps eine längliche, fast tablettenförmige Statur.
  • Sichtbarkeit: Sie ist rötlich-braun gefärbt, glänzt jedoch nicht so stark im Licht wie die Varroa, was sie im Bodengemüll wesentlich schwerer erkennbar macht.
  • Geschwindigkeit: Tropilaelaps ist extrem schnell und wendig. Im Gegensatz zur eher behäbigen Varroa flitzt sie fast schon hektisch mit ruckartigen Stop-and-Go-Bewegungen über die Waben.

Lebensweise und Phoretische Phase (Leben auf erwachsenen Bienen)

  • Während die Varroa-Milbe eine ausgedehnte Phase von oft 3 bis 13 Tagen (im Schnitt 7 Tage) auf erwachsenen Bienen verbringt, um dort den Fettkörper anzustechen, ernährt sich die Tropilaelaps-Milbe nach derzeitigem Wissensstand nicht von erwachsenen Bienen.
  • Sie verbringt zumeist nur wenige Stunden bis maximal ein bis zwei Tage außerhalb der Brutzellen, um lediglich von einer Zelle in die nächste zu wechseln. Ohne Bienenbrut verhungern die Milben in der Regel innerhalb weniger Tage.

Vermehrung und Genetik

  • Schnellerer Zyklus: Tropilaelaps vermehrt sich rasanter als Varroa. Sie legt etwa alle 24 Stunden ein Ei (Varroa ca. alle 30 bis 36 Stunden). Eine Tropilaelaps-Population kann sich in nur 7 bis 15 Tagen verdoppeln, während Varroa dafür etwa 30 Tage benötigt.
  • Mehr Nachkommen: Sie bringt pro Zelle mehr lebensfähige Nachkommen hervor – durchschnittlich drei Milben in der Arbeiterinnenbrut im Vergleich zu 1,5 bis 1,6 bei der Varroa (und 4,5 in Drohnenbrut gegenüber 2,6 bei Varroa). Zudem können unbegattete Tropilaelaps-Weibchen durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) eigenständig fortpflanzungsfähigen männlichen und weiblichen Nachwuchs produzieren.
  • Keine Inzucht: Bei der Varroa stirbt das Männchen in der Zelle, was dazu führt, dass sich Weibchen immer mit ihren Brüdern paaren müssen. Bei der Tropilaelaps verlassen jedoch Weibchen und Männchen die Brutzelle lebend, wodurch sie sich außerhalb mit fremden Milben paaren können.. Das verhindert einen genetischen Flaschenhals, fördert eine viel größere genetische Vielfalt und ermöglicht es der Milbe, sich extrem schnell an Bekämpfungsmittel anzupassen und Resistenzen zu bilden.

Fressverhalten und Schäden an der Brut

  • Die Varroa beißt in der Brutzelle ein einziges Loch in die Bienenpuppe, aus dem die gesamte Milbenfamilie frisst.
  • Tropilaelaps ist ein aggressiverer Fresser und beißt für jede Nahrungsaufnahme ein neues Loch. Das führt zu zahlreichen Fraßwunden an der Puppe und massivem Narbengewebe. Selbst ohne die Übertragung von Viren schlüpfen die Bienen dadurch oft stark verkrüppelt, haben abgeknickte Fühler, deformierte Flügel oder Beine, die sie nicht richtig benutzen können.

Drohnenbrut und der Kollaps des Volkes

  • Keine Präferenz für Drohnen: Varroa bevorzugt Drohnenbrut stark für die Vermehrung. Tropilaelaps weist diese Präferenz kaum auf und befällt die Arbeiterinnenbrut im gleichen Maße. Das typische „Drohnenbrutschneiden“ der Imker ist gegen sie daher wirkungslos.
  • Geschwindigkeit des Völkersterbens: Aufgrund der extremen Vermehrungsrate und der massiven Fraßschäden kann Tropilaelaps ein unbehandeltes Bienenvolk in nur 2 bis 6 Monaten vollständig vernichten. Bei einem reinen Varroa-Befall kann ein Volk ohne Behandlung oft 1 bis 3 Jahre überleben.

Wie unterscheidet sich die Tropilaelaps von der Varroa?

MerkmalVarroa-MilbeTropilaelaps-Milbe
Größeca. 1,6 mmca. 1,0 mm (kleiner)
Formoval, breitlänglich, tablettenförmig
Geschwindigkeitbehäbigextrem schnell/hektisch
Vermehrungszyklusca. 30 Tage für Verdopplung7–15 Tage für Verdopplung
Drohnenbrutbevorzugtkeine Präferenz
Überleben ohne Brutbis zu mehreren Monatennur wenige Tage
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