Vespa velutina bekämpfen: Warum frühes Handeln wichtig ist
Die Asiatische Hornisse Vespa velutina kommt Oberösterreich immer näher. Nachdem 2026 bereits in Vorarlberg Nester gefunden worden waren, wurde Ende August erstmals auch in Tirol ein Vorkommen bestätigt. Das dazugehörige Sekundärnest in Kössen wurde am 10. September 2026 erfolgreich bekämpft und entfernt.
Kössen liegt nur noch knapp 50 Kilometer Luftlinie von der oberösterreichischen Landesgrenze entfernt. Damit müssen wir auch in Oberösterreich jederzeit mit einem ersten bestätigten Auftreten rechnen.
Die erfolgreiche Entfernung dieses Nestes ist wichtig – sie zeigt aber gleichzeitig, wie notwendig Früherkennung und rasches Handeln sind. Jedes Nest, das rechtzeitig gefunden und entfernt wird, kann dazu beitragen, die weitere Ausbreitung zu verlangsamen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Vespa velutina auch Oberösterreich erreichen kann, sondern wie gut wir darauf vorbereitet sind.
Dabei geht es keineswegs ausschließlich um die Imkerei.
1. Für die Imkerei
Honigbienen gehören zu den bevorzugten Beutetieren der Asiatischen Hornisse. Die Hornissen warten häufig im Schwebflug vor den Fluglöchern und fangen heimkehrende Bienen ab. Bei starkem Auftreten kann dieser dauernde Jagddruck dazu führen, dass Bienen ihre Sammelflüge reduzieren und Völker geschwächt werden. In stark befallenen Gebieten sind auch Völkerverluste dokumentiert.
Für Imkerinnen und Imker bedeutet eine hohe Nestdichte daher nicht nur den Verlust einzelner Bienen. Sie kann die gesamte Betriebsweise verändern: mehr Beobachtung, mehr Schutzmaßnahmen, zusätzlicher Arbeitsaufwand und höhere Kosten.
Je geringer wir die Nestdichte halten können, desto geringer bleibt auch der Druck auf unsere Bienenvölker.
2. Für Wildinsekten und die Biodiversität
Vespa velutina ernährt ihre Brut nicht nur mit Honigbienen. Untersuchungen zeigen, dass sie ein breites Spektrum an Insekten erbeutet – darunter Fliegen, Wespen und zahlreiche weitere Arten.
Eine französische Untersuchung von Nestern ermittelte durchschnittlich rund 11,3 Kilogramm erbeutete Insektenbiomasse pro Nest und Saison. Insgesamt wurden dabei Beutetiere aus mindestens 159 Arten nachgewiesen.
Bei einzelnen Nestern mag dieser Effekt noch begrenzt erscheinen. Problematisch wird er dort, wo sich Vespa velutina etabliert und die Zahl der Nester stark zunimmt.
Die Bekämpfung dient daher auch dem Schutz unserer heimischen Insektenwelt und der biologischen Vielfalt. Die AGES weist ausdrücklich darauf hin, dass die Art neben Honigbienen auch andere wichtige Bestäuber jagt und bei starkem Auftreten die Biodiversität gefährden kann.
3. Für Landwirtschaft, Obst- und Weinbau
Bestäubung ist eine wesentliche Grundlage der landwirtschaftlichen Produktion. Honigbienen und Wildbestäuber tragen zur Bestäubung zahlreicher Kultur- und Wildpflanzen bei.
Wenn hoher Jagddruck dazu führt, dass Bienen ihre Sammelflüge einschränken, kann damit auch die Bestäubungsleistung zurückgehen. Die AGES beschreibt diesen Zusammenhang ausdrücklich. Zudem kann Vespa velutina auch in anderen landwirtschaftlichen Bereichen wie Obst- und Weinbau Probleme verursachen.
Deshalb ist die Asiatische Hornisse nicht ausschließlich ein Thema der Bienenzucht, sondern auch eines der Landwirtschaft.
4. Für Gemeinden und Bevölkerung
Eine einzelne Vespa velutina ist für einen gesunden Menschen grundsätzlich nicht gefährlicher als unsere heimische Europäische Hornisse. Sie verfolgt Menschen nicht und greift normalerweise nur an, wenn sie sich bedroht fühlt.
Ganz anders sieht die Situation unmittelbar bei einem Nest aus.
Nester werden verteidigt. Deshalb warnt die AGES ausdrücklich davor, sich einem Nest zu nähern oder selbst einen Entfernungsversuch zu unternehmen.
Mit zunehmender Verbreitung steigt gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass Nester in Bereichen entstehen, in denen Menschen regelmäßig unterwegs sind – etwa in Gärten, Parks oder im Umfeld von Verkehrswegen und Siedlungen.
Auch deshalb ist es sinnvoller, die Zahl der Nester möglichst niedrig zu halten, als erst dann zu reagieren, wenn sich die Art bereits flächendeckend etabliert hat.
5. Für Behörden und Einsatzorganisationen
Je früher ein Vorkommen erkannt wird, desto einfacher ist die Situation beherrschbar.
Ein einzelner bestätigter Fund kann beobachtet, verfolgt und im besten Fall einem Nest zugeordnet werden. Ist eine Region dagegen bereits von zahlreichen Nestern besiedelt, steigen Personalbedarf, technische Anforderungen und Kosten erheblich.
Früherkennung ist deshalb einer der wichtigsten Bestandteile einer erfolgreichen Strategie.
Dazu braucht es geschulte Personen, funktionierende Meldewege, geeignete Ausrüstung und die Zusammenarbeit von Imkerei, Behörden, Wissenschaft und – je nach Situation – weiteren Einsatzorganisationen.
Bekämpfung bedeutet nicht, jede Hornisse zu töten
Ein Punkt ist besonders wichtig: Unsere heimische Europäische Hornisse ist nicht das Problem.
Sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems und darf nicht mit Vespa velutina verwechselt werden. Deshalb sollten verdächtige Tiere fotografiert oder gefilmt und gemeldet, aber nicht vorsorglich gefangen oder getötet werden. Auch die AGES empfiehlt dieses Vorgehen ausdrücklich, weil Verwechslungen mit heimischen Arten möglich sind.
Ziel muss eine gezielte, fachgerechte Bekämpfung bestätigter Vespa-velutina-Vorkommen sein.
Warum jedes früh gefundene Nest zählt
Vespa velutina ist in der Europäischen Union als invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung eingestuft. Eine rasche Meldung und frühe Bekämpfung dienen dazu, ihre weitere Ausbreitung einzudämmen.
Wir müssen realistisch sein: Ob sich eine dauerhafte Ausbreitung in Oberösterreich langfristig vollständig verhindern lässt, ist ungewiss.
Aber es macht einen erheblichen Unterschied, ob sich eine neue invasive Art ungebremst vermehren kann oder ob Vorkommen früh erkannt und Nester konsequent entfernt werden.
Unser Ziel muss daher sein:
Vespa velutina möglichst früh erkennen, Verdachtsfälle rasch überprüfen, Nester lokalisieren und fachgerecht entfernen.
Damit schützen wir nicht nur unsere Honigbienen.
Wir schützen Bestäuber, Landwirtschaft und Biodiversität – und wir verhindern, dass aus einzelnen Funden möglichst rasch ein flächendeckendes und teures Problem wird.
Was kann jede und jeder tun?
Verdächtige Hornissen möglichst fotografieren oder filmen und die Sichtung melden. Ein Nest niemals selbst öffnen, bekämpfen oder entfernen.
Für Imkerinnen und Imker gilt zusätzlich: Besonders aufmerksam den Bereich vor den Fluglöchern beobachten. Vespa velutina kann dort beim charakteristischen Jagdflug häufig erstmals auffallen.
Je früher wir sie finden, desto größer ist unsere Chance, ihre Ausbreitung zu bremsen.
OÖ Landesverband für Bienenzucht
