Bienengesundheit · Meldelage
Fünfte Vespa-velutina-Meldung – erstmals erscheint Tirol
Das offizielle Meldeportal weist nun konsistent fünf bestätigte Nachweise der Asiatischen Hornisse in Österreich aus. Neu ist nicht nur die Zahl: In der Bundesländerauswahl steht neben Salzburg und Vorarlberg erstmals auch Tirol. Oberösterreich wird weiterhin nicht geführt.
Bundesländer in der Portalauswahl
- Salzburg
- Tirol
- Vorarlberg
- Oberösterreich – nicht gelistet
Das Portal unterscheidet zwischen Sichtungen von Einzeltieren und Nestfunden. Zahlen und Auswahl können sich mit jeder Verifizierung ändern.
Was das Meldeportal aktuell zeigt
Die Übersichtsseite von Biene Österreich führt die bestätigten Nachweise der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) zentral zusammen. Beim Abruf am 25. August 2026 nennt sie fünf bestätigte Meldungen – und die Zahl ist über mehrere Abfragen hinweg stabil geblieben, ist also kein Anzeigefehler.
Die eigentliche Nachricht steckt in der Filterleiste darunter: Wo bisher nur Salzburg und Vorarlberg auswählbar waren, steht jetzt auch Tirol. Das Portal blendet ein Bundesland erst dann ein, wenn dort ein verifizierter Nachweis vorliegt. Oberösterreich taucht in dieser Auswahl weiterhin nicht auf – für unser Verbandsgebiet gilt unverändert: kein bestätigter Fund.
Einordnung – was wir wissen und was nicht
Das Portal veröffentlicht weder das Bestätigungsdatum noch den genauen Fundort einer Meldung. Dass hinter dem neuen Eintrag ein Nachweis in Tirol steht, ist daher eine begründete Schlussfolgerung aus der geänderten Anzeige und keine amtliche Einzelmeldung. Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald belastbare Detailinformationen vorliegen.
Warum das für Oberösterreich zählt
Österreichs Velutina-Chronologie ist kurz, aber sie beschleunigt. Der erste Nachweis gelang im April 2024 in Salzburg. Im Juni 2026 wurden in Vorarlberg zwei Primärnester gefunden – die ersten Nestfunde überhaupt in Österreich. Und nun kommt Tirol dazu.
Geografisch schließt Tirol die Lücke zwischen Vorarlberg und Salzburg. Damit verdichtet sich das Bild entlang der Alpennordrand- und Inntal-Achse zu einem zusammenhängenden Korridor statt zu drei isolierten Einzelfunden. Wichtig für die realistische Einschätzung: Tirol grenzt nicht an Oberösterreich. Der nächstgelegene bestätigte Fundraum bleibt Salzburg. Die Ausbreitungsrichtung und -geschwindigkeit sind es, die uns betreffen – nicht die Luftlinie nach Kössen.
Vespa velutina legt weite Strecken selten aus eigener Kraft zurück. Sie reist mit: in Transportgütern, Erdmaterial, Pflanzencontainern, auf Lkw und Bahn. Genau deshalb folgt die Ausbreitung in ganz Europa den Verkehrsachsen – und genau deshalb ist ein Erstfund in Oberösterreich nicht an eine langsam wandernde Front gebunden. Er kann jederzeit und überall auftreten.
Für den Landesverband heißt das: Meldebereitschaft schärfen statt Alarm auslösen. Besonders im Grenzraum zu Salzburg und Bayern sowie entlang der großen Verkehrsachsen sollten Bestimmungsbilder jetzt in den Ortsvereinen, in Vereinsabenden und in den Bienenständen präsent sein. Je vertrauter das Erscheinungsbild, desto früher fällt ein echter Fund auf.
Woran Sie Vespa velutina erkennen
Die Asiatische Hornisse ist etwa so groß wie eine Ein-Euro-Münze und damit spürbar kleiner und schlanker als unsere heimische Hornisse. Die verlässlichsten Merkmale sind die dunkle, fast einfärbige Brust, die auffällig gelben Beinenden und das eine breite orangegelbe Band am Hinterleib.
| Merkmal | Vespa velutina (Asiatische Hornisse) | Vespa crabro (Europäische Hornisse) |
|---|---|---|
| Größe | Arbeiterin rund 2–2,5 cm, Königin bis 3 cm | 2,3–3,5 cm, deutlich massiger |
| Brust | samtig dunkelbraun bis schwarz, nahezu einfärbig | rotbraun und schwarz gezeichnet |
| Hinterleib | überwiegend dunkel, ein breites orangegelbes Band im hinteren Drittel | überwiegend gelb mit schwarzer Zeichnung |
| Beine | Enden auffällig gelb – die sprichwörtlichen „gelben Schuhe“ | durchgehend rotbraun |
| Gesicht | orangegelb | rötlich gelb |
| Flugverhalten | rein tagaktiv | fliegt auch in der Dämmerung und nachts ans Licht |
| Nest | kugelig bis birnenförmig, 40–60 cm, meist hoch im Baum, Eingang seitlich | meist in Hohlräumen wie Baumhöhle, Dachboden oder Nistkasten, Eingang unten |
| Status | invasive Art der EU-Unionsliste – Verdachtsfälle bitte melden | heimisch und geschützt – keinesfalls bekämpfen |
Verwechslungen sind die Regel, nicht die Ausnahme
Der weitaus größte Teil aller Verdachtsmeldungen entpuppt sich als heimische Art: europäische Hornisse, Gemeine oder Deutsche Wespe, Feldwespe, Grab- oder Dolchwespe. Das ist kein Ärgernis, sondern der Normalbetrieb eines funktionierenden Monitorings. Melden Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig – aber bitte immer mit Bild: Nur mit einem Foto lässt sich Vespa velutina zweifelsfrei verifizieren.
Was Imker:innen in Oberösterreich jetzt tun sollten
Der Spätsommer ist das aufmerksamste Zeitfenster des Jahres: Die Völker der Asiatischen Hornisse sind jetzt am größten, ihr Proteinbedarf am höchsten – wo sie vorkommt, wird sie am Bienenstand sichtbar.
Am Flugloch beobachten
Typisch ist das Lauerverhalten: Die Hornisse steht 30 bis 50 cm vor dem Flugloch scheinbar in der Luft und fängt einzelne heimkehrende Bienen ab. Weitere Warnzeichen sind ein spürbarer Rückgang des Flugbetriebs sowie tote oder verstümmelte Bienen vor der Beute.
Locktopf aufstellen
Ein Honigglas mit gelochtem Deckel, gefüllt zu je einem Drittel mit Fruchtsaftkonzentrat, dunklem Bier und Weißwein. Der Wein hält Honigbienen weitgehend fern. Alle zwölf Stunden kontrollieren – der Locktopf dient der Früherkennung, nicht der Bekämpfung.
Foto machen
So scharf wie möglich, idealerweise mit Größenvergleich. Ohne Bild kann eine Meldung nicht verifiziert werden und fließt nicht in die offizielle Statistik ein.
Sofort melden
Zuerst an den Landesverband, damit wir regional reagieren und Nachbarstände informieren können – und zusätzlich über das bundesweite Meldeportal, damit der Fund in den österreichweiten Datensatz eingeht.
Bitte niemals selbst bekämpfen
Vespa velutina ist vor allem im Nestbereich gefährlich. Nestentfernungen sind ausschließlich Sache der zuständigen Behörden und geschulter Fachleute. Auch Fallen im Eigenbau sind problematisch: Sie fangen überwiegend heimische, teils geschützte Arten – allen voran die europäische Hornisse.
Meldewege
- E-Mail OÖ
- velutina@bzv-ooe.at
- Telefon OÖ
- 0732 73 20 70 90
- Bundesweit
- bienengesundheit.at/vespa-velutina
