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Warum Imkern glücklich macht: Echte Erfahrungen aus OÖ | BZV

Der Zwang zur Ruhe – Warum Imkern glücklich macht: Eine Stimme aus Oberösterreich

Thomas (42) aus Linz, darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Thomas arbeitet als IT-Projektmanager in der Linzer Innenstadt. Für ihn sind die Bienen der totale Kontrast zum digitalen Stress.

„Weißt du, wenn ich am Freitagmittag aus dem Büro komme, bin ich oft noch auf 180. Aber sobald ich zu meinen Stöcken hier am Pöstlingberg gehe, muss ich umschalten. Die Bienen verzeihen dir keine Hektik. Wenn du nervös bist, werden sie es auch. Das ist das Faszinierende: Sie zwingen dich zur Ruhe. Ich atme dreimal tief durch, bewege mich ganz langsam – und plötzlich ist der ganze Stress der Woche wie weggeblasen. Es ist eine erzwungene Meditation, und genau das brauche ich.“

Thomas (42) aus Linz, Urfahr - Der Zwang zur Ruhe
Thomas (42) aus Linz, Urfahr – Der Zwang zur Ruhe

„… und plötzlich ist der ganze Stress der Woche wie weggeblasen

Die Natur neu entdecken – Warum Imkern glücklich macht

Maria (55) aus Freistadt (Mühlviertel), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Maria imkert seit fünf Jahren und erzählt, wie sich ihr Blick auf die raue Landschaft des Mühlviertels verändert hat.

„Früher bin ich durch den Wald spaziert und habe halt ‚Bäume‘ gesehen. Seit ich Imkerin bin, sehe ich die Welt in High Definition. Ich merke sofort: Ah, die Haselnuss blüht heuer zwei Wochen früher! Oder: Der Raps steht gut. Du lebst plötzlich extrem intensiv mit den Jahreszeiten. Man fühlt sich wieder als Teil des Ganzen, nicht nur als Zuschauer. Diese Erdung, wenn man hier draußen steht und den Bienen beim Eintragen der Pollen zuschaut, das macht etwas mit dem Herzen.“

Maria (55) aus Freistadt (Mühlviertel) - Die Natur neu entdecken
Maria (55) aus Freistadt (Mühlviertel) – Die Natur neu entdecken

„Seit ich Imkerin bin, sehe ich die Welt in High Definition. … Diese Erdung, wenn man hier draußen steht …, das macht etwas mit dem Herzen.“

Ein Fest für die Sinne

Hannes (61) aus Gmunden (Salzkammergut), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Für Hannes ist das Imkern vor allem ein sinnliches Erlebnis, das er nicht mehr missen möchte.

„Viele reden immer nur vom Honig, aber für mich ist es der Geruch. Wenn du an einem warmen Tag den Deckel der Beute hebst und dir dieser Schwall aus warmem Wachs, Propolis und Honig entgegenkommt… das ist der beste Duft der Welt. Das kannst du nicht in Flaschen abfüllen. Dazu dieses tiefe, monotone Summen des Volkes – das beruhigt mich mehr als jeder Urlaub am Meer. Wenn ich hier am Traunsee bei meinen Bienen sitze, brauche ich nichts anderes mehr zum Glücklichsein.“

Hannes (61) aus Gmunden (Salzkammergut) - Ein Fest für die Sinne
Hannes (61) aus Gmunden (Salzkammergut) – Ein Fest für die Sinne

„Wenn du an einem warmen Tag den Deckel der Beute hebst und dir dieser Schwall aus warmem Wachs, Propolis und Honig entgegenkommt… das ist der beste Duft der Welt.“

Stolz und Sinnhaftigkeit

Sophie (29) aus Ried im Innkreis (Innviertel), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Sophie hat erst vor zwei Jahren angefangen und liebt das Gefühl, etwas Echtes zu schaffen.

„In meinem Job sitze ich viel in Meetings, wo man am Ende des Tages oft nicht sieht, was man eigentlich geschafft hat. Beim Imkern ist das anders. Du ziehst das Volk groß, du sorgst dich, du schwitzt in der Sonne. Und dann kommt der Moment im Sommer: Das Schleudern. Wenn das erste goldene Glas mit dem eigenen Etikett auf dem Tisch steht, platzt man fast vor Stolz. Zu wissen, dass meine Bienen hier im Innviertel die Obstbäume bestäubt haben und ich jetzt diesen Honig essen kann – das gibt mir wahnsinnig viel Sinn.“

Sophie (29) aus Ried im Innkreis (Innviertel) - Stolz und Sinnhaftigkeit
Sophie (29) aus Ried im Innkreis (Innviertel) – Stolz und Sinnhaftigkeit

„Wenn das erste goldene Glas mit dem eigenen Etikett auf dem Tisch steht, platzt man fast vor Stolz. … dass gibt mir wahnsinnig viel Sinn.“

Das stille Wunder: Wenn aus Blüten Früchte werden

Wir haben unsere Runde erweitert und Imker gefragt, wie sie den Bestäubungskreislauf erleben und warum genau dieser Aspekt sie so erfüllt.

Infografik - Das stille Wunder, wenn aus Blüten Früchte werden
Infografik – Das stille Wunder, wenn aus Blüten Früchte werden

Der Kreislauf, der glücklich macht

Was Franz, Elisabeth und Lukas beschreiben, ist der ewige Kreislauf, den du als Imker hautnah miterlebst:

  1. Der Lockruf: Die Pflanze produziert Nektar (das „Flugbenzin“), um die Biene anzulocken.
  2. Der Besuch: Die Biene landet, trinkt Nektar und wird dabei unabsichtlich mit Pollen „eingestaubt“.
  3. Der Transport: Sie fliegt zur nächsten Blüte derselben Art. Der Pollen in ihrem Pelz berührt die Narbe der neuen Blüte.
  4. Die Befruchtung: Jetzt kann der Samen wachsen. Die Blütenblätter fallen ab, die Frucht (Apfel, Kirsche, Beere) beginnt zu schwellen.
  5. Das Ergebnis: Wir und die Tiere haben Nahrung, und die Pflanze hat Samen für die nächste Generation gesichert.

Als Imker bist du der Hüter dieses Kreislaufs. Das gibt dir das Gefühl, etwas wirklich Wichtiges zu tun – weit über den Honigtopf hinaus.

Der Startschuss des Lebens

Franz (48) aus Eferding (Eferdinger Becken), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Franz lebt mitten in der „Gemüsekammer“ Oberösterreichs. Für ihn ist die Bestäubung eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft.

„Hier im Eferdinger Becken siehst du das ganz pragmatisch, aber wunderschön. Wenn meine Bienen im Frühling ausfliegen, sehe ich sie oft mit dicken, gelben ‚Höschen‘ an den Hinterbeinen zurückkommen. Das ist der Blütenstaub, der Pollen. Für mich ist das der glücklichste Moment, weil ich weiß: Der Kreislauf hat begonnen. Die Biene fliegt zur Gurken- oder Apfelblüte, um Nektar zu trinken. Dabei streift sie mit ihrem pelzigen Körper die Staubgefäße und nimmt den männlichen Pollen mit zur nächsten Blüte. Da passiert die Befruchtung. Ohne diesen kleinen Flug gäbe es hier keine Ernte. Ich fühle mich dann wie ein stiller Teilhaber an jedem Gemüse, das hier wächst.“

Franz (48) aus Eferding (Eferdinger Becken) - Der Startschuss des Lebens
Franz (48) aus Eferding (Eferdinger Becken) – Der Startschuss des Lebens

“Ich fühle mich dann wie ein stiller Teilhaber an jedem Gemüse, das hier wächst.”

Die Verwandlung beobachten

Elisabeth (34) aus Scharten (Naturpark Obst-Hügel-Land), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

In Scharten dreht sich alles um Obst, besonders Kirschen und Marillen. Elisabeth beschreibt den Moment, in dem die Magie sichtbar wird.

„Das Faszinierendste ist für mich die Zeit direkt nach der Blüte. Du stehst unter dem Kirschbaum, die weißen Blütenblätter regnen herab wie Schnee. Für andere ist das vorbei, aber als Imkerin weißt du: Jetzt fängt es erst an. Weil meine Bienen die Narbe der Blüte bestäubt haben, wächst dort jetzt winzig klein die Frucht heran. Ich gehe dann oft durch den Obstgarten und denke mir: ‚Danke Mädels.‘ Wenn ich im Sommer in eine Kirsche beiße, schmeckt die anders, weil ich weiß, dass meine Bienen daran mitgewirkt haben. Du isst quasi das Ergebnis deiner Zusammenarbeit mit der Natur.“

Elisabeth (34) aus Scharten (Naturpark Obst-Hügel-Land) - Die Verwandlung beobachten
Elisabeth (34) aus Scharten (Naturpark Obst-Hügel-Land) – Die Verwandlung beobachten

“Du stehst unter dem Kirschbaum, die weißen Blütenblätter regnen herab wie Schnee. … Jetzt fängt es erst an.“

Das Bewahren der Vielfalt

Lukas (27) aus Windischgarsten (Pyhrn-Priel Region), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Lukas imkert in der Nähe der Berge. Ihm geht es um die Wildblumen und das Überleben der alpinen Wiesen.

„Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie der Samenansatz funktioniert. Es geht ja nicht nur um Obstbäume. Meine Bienen fliegen auf die Wiesen hier am Rande des Nationalparks Kalkalpen. Sie bestäuben Blumen, die ohne sie vielleicht verschwinden würden. Wenn die Blüte befruchtet ist, bildet sie Samen. Diese Samen fallen im Herbst zu Boden, und nächstes Jahr blüht die Wiese wieder bunt. Ohne Bienen wäre es hier irgendwann still und grau. Zu wissen, dass mein Hobby hilft, diese Landschaft so bunt zu erhalten, wie wir sie in Oberösterreich lieben – das ist für mich pures Glück.“

Lukas (27) aus Windischgarsten (Pyhrn-Priel Region) - Das Bewahren der Vielfalt
Lukas (27) aus Windischgarsten (Pyhrn-Priel Region) – Das Bewahren der Vielfalt

“Zu wissen, dass mein Hobby hilft, diese Landschaft so bunt zu erhalten, wie wir sie in Oberösterreich lieben – das ist für mich pures Glück.”

Imker – Ein Leben lang in Bewegung

Karl (87) aus Steyr-Land, darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Karl imkert seit seinem 20. Lebensjahr. Das sind unglaubliche 67 Jahre Erfahrung. Auf dem Bild sieht man ihn vor seinem Bienenstand, mit einem Lächeln, das Bände spricht über ein erfülltes Leben.

„Die Leute fragen mich oft, wie ich mit fast 90 noch die schweren Honigräume heben kann. Ich sag dann immer: ‚Indem ich nie damit aufgehört habe.‘ Die Imkerei hält dich körperlich fit, du bist immer in Bewegung, bückst dich, streckst dich. Aber das Wichtigste ist: Du hast jeden Tag einen Grund aufzustehen. Meine Bienen warten auf mich. Die brauchen mich. Und solange ich zu ihnen gehen kann, fühle ich mich nicht alt. Das Summen ist für mich die Musik des Lebens.“

Karl (87) aus Steyr-Land - Imker - Ein Leben lang in Bewegung
Karl (87) aus Steyr-Land – Imker – Ein Leben lang in Bewegung

Die Imkerei hält dich körperlich fit, du bist immer in Bewegung, bückst dich, streckst dich.

Imkerinnen und Imker bleiben oft geistig hellwach bleiben

Gertrude (78) aus dem Hausruckviertel, darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Gertrude hat vor über 50 Jahren mit ihrem Mann angefangen und führt die Imkerei jetzt allein weiter. Das Bild zeigt sie in ihrem Bienenhaus, konzentriert bei der Arbeit. Ihre wachen Augen verraten einen scharfen Verstand.

„Imkern ist Denksport. Du kannst nicht nach Schema F arbeiten, weil jedes Jahr anders ist, jedes Volk ist anders. Du musst beobachten, Schlüsse ziehen, Entscheidungen treffen. Wann erweitere ich? Wann füttere ich? Das hält den Kopf unglaublich frisch. Ich kenne viele in meinem Alter, die nur noch vor dem Fernseher sitzen und abbauen. Aber wenn ich im Bienenhaus stehe und Waben kontrolliere, bin ich hellwach.

Gertrude (78) aus dem Hausruckviertel - Imkerinnen und Imker bleiben oft geistig hellwach
Gertrude (78) aus dem Hausruckviertel – Imkerinnen und Imker bleiben oft geistig hellwach

“Die Bienen fordern dich geistig heraus, bis ins hohe Alter. Das ist das beste Gehirnjogging, das es gibt.“

Fokus auf Vielfalt und „Blick hinter die Kulissen“

Viele angehende Imkerinnen und Imker denken zu Beginn oft nur an die Haltung einiger weniger Bienenstöcke im eigenen Garten. Doch wenn die Leidenschaft erst einmal so richtig ausbricht, öffnet sich der Blick für das, was alles möglich ist. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Honig, sondern um Handwerk, Veredelung und die tiefere Verbindung zur Natur. Die folgenden Beispiele zeigen, wie vielfältig die Welt der Bienen wirklich ist.

Fokus auf Vielfalt und "Blick hinter die Kulissen"
Fokus auf Vielfalt und „Blick hinter die Kulissen“

Verkauf von Bienenprodukten am Markt

Richard und Johanna aus Mattighofen (Innviertel), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Richard und seine Frau Johanna sind ein eingespieltes Team. Jeden Samstag verwandeln sie ihren Stand am Wochenmarkt in Mattighofen in einen Treffpunkt für Honigliebhaber.

„Die Vorbereitung für den Markt ist oft ein Knochenjob, das darf man nicht unterschätzen. Gläser füllen, etikettieren, Kisten schleppen – da weiß man am Abend, was man getan hat. Aber sobald wir am Samstag unseren Stand aufgebaut haben, ist die Mühe vergessen. Die größte Freude ist für uns der direkte Kontakt. Wir haben viele Stammkunden, die uns vertrauen. Wenn dann jemand kommt und sagt: ‚Euer Waldhonig war letztes Jahr ein Traum, ich habe schon sehnsüchtig darauf gewartet‘, dann ist das der schönste Lohn. Es ist ein Geben und Nehmen. Man verkauft nicht nur ein Lebensmittel, sondern man übergibt das Ergebnis eines ganzen Jahres Arbeit an jemanden, der es wirklich zu schätzen weiß.“

RICHARD & JOHANNA – MATTIGHOFEN Verkauf von Bienenprodukten am Markt
RICHARD & JOHANNA – MATTIGHOFEN Verkauf von Bienenprodukten am Markt

“Man verkauft nicht nur ein Lebensmittel, sondern man übergibt das Ergebnis eines ganzen Jahres Arbeit an jemanden, der es wirklich zu schätzen weiß.”

Der Rhythmus der Berge

Anna und Georg aus der Region Pyhrn-Priel (Kalkalpen), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Für dieses Paar beginnt die eigentliche Arbeit oft erst, wenn andere Feierabend machen. Anna und Georg haben sich auf die Gewinnung von hochwertigem Blütenpollen spezialisiert – mitten in der unberührten Natur der Kalkalpen.

„Unser Leben folgt im Sommer einem strengen Gesetz: Kein Abend darf ausgelassen werden. Sobald die Sonne hinter den Gipfeln verschwindet, fahren wir unsere Stände ab. Wir ernten die Pollenfallen täglich, damit die Qualität absolut perfekt bleibt. Das ist anstrengend, wir wechseln uns ab, aber es hat auch etwas Magisches. Danach geht es in den Verarbeitungsraum: Aufschütten, reinigen und sofort in die Gefriertrocknung. Aber wenn du dann vor dieser bunten Pracht stehst – leuchtendes Gelb, tiefes Orange, Violett – und diesen unverfälschten Duft der Gebirgswiesen riechst, weißt du, warum du das tust. Dieser ‚Gebirgspollen‘ ist konzentrierte Sonnenkraft. Ihn so rein zu bewahren, ist unser schönster Lohn.“

Anna und Georg aus der Region Pyhrn-Priel (Kalkalpen) - Der Rhythmus der Berge
Anna und Georg aus der Region Pyhrn-Priel (Kalkalpen) – Der Rhythmus der Berge

“Dieser ‚Gebirgspollen‘ ist konzentrierte Sonnenkraft. Ihn so rein zu bewahren, ist unser schönster Lohn.“

Die Architektur der Zukunft

Stefan (45) aus Scharnstein (Almtal), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Stefan hat sich der anspruchsvollsten Aufgabe in der Imkerei verschrieben: der Königinnenzucht. Für ihn ist das Imkerjahr wie ein Uhrwerk, das präzise ticken muss.

„Viele denken, Imkern sei nur gemütliches Zuschauen, aber in der Zucht herrscht Disziplin. Du arbeitest nach einem strengen Kalender: Am Tag X wird umgelarvt, genauso viele Tage später müssen die Königinnen verschult werden. Verpasst du den Zeitpunkt nur um wenige Stunden, war die ganze Arbeit umsonst. Aber genau diese Präzision liebe ich. Und dann kommt der Höhepunkt: Die Auffahrt zur Belegstelle ins hintere Almtal nach Grünau. Wenn ich dort, umgeben von steilen Felswänden und absoluter Stille, meine Begattungskästchen aufstelle, ist das ein feierlicher Moment. Ich weiß, dass ich hier den Grundstein für sanftmütige und starke Völker im nächsten Jahr lege. Dieser Mix aus strengem Zeitplan und der Hoffnung, die man in diesen kleinen Kästchen transportiert – das ist für mich Faszination pur.“

Stefan (45) aus Scharnstein (Almtal) - Die Architektur der Zukunft
Stefan (45) aus Scharnstein (Almtal) – Die Architektur der Zukunft

“Wenn ich dort, umgeben von steilen Felswänden und absoluter Stille, meine Begattungskästchen aufstelle, ist das ein feierlicher Moment.”

Die stille Zeit in der Werkstatt

Martin (50) aus dem Hausruckviertel, darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Wenn es draußen stürmt und schneit, findet man Martin meistens nicht auf dem Sofa, sondern in seiner Werkstatt. Für ihn ist der Winter keine Pause, sondern eine Zeit der Hingabe an das Material.

„Die Bienen sitzen jetzt eng in der Wintertraube und ruhen, und ich tue es ihnen auf meine Weise gleich. Ich ziehe mich in meine Werkstatt zurück. Wenn der Holzofen knistert und es nach Weymouthskiefer oder Fichte riecht, komme ich runter. Zuerst werden die Stockmeißel und Gitter vom Propolis befreit und repariert – das ist fast meditativ. Aber das Schönste ist das Bauen der neuen Beuten. Ich tischlere meine Kästen selbst. Aus rohen Brettern ein passgenaues Zuhause für meine Völker zu schaffen, macht mich stolz. Jedes Rähmchen, das ich jetzt drahte, und jede Beute, die ich streiche, ist ein Versprechen an den nächsten Frühling. Man arbeitet mit den Händen und ist im Kopf schon bei der ersten Ausfahrt im März. Diese ruhigen Stunden gehören für mich genauso zum Imkerglück wie der volle Honigtopf.“

Martin (50) aus dem Hausruckviertel - Die stille Zeit in der Werkstatt
Martin (50) aus dem Hausruckviertel – Die stille Zeit in der Werkstatt

“Jedes Rähmchen, das ich jetzt drahte, und jede Beute, die ich streiche, ist ein Versprechen an den nächsten Frühling.”

Die Veredelung des Sommers

Klaus (38) aus Schärding (Innviertel), darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Wenn die Bienenstöcke winterfest gemacht sind und sich der Nebel über den Inn legt, beginnt für Klaus eine ganz besondere Zeit. Er verarbeitet einen Teil seiner Ernte zu Met – dem wohl ältesten alkoholischen Getränk der Menschheit.

„Honig im Glas ist wunderbar, aber Met ist für mich die Veredelung des Sommers. Im Spätherbst, wenn es draußen ungemütlich wird, ziehe ich mich in den Gärkeller zurück. Es hat etwas Beruhigendes, den Ansatz aus Wasser, Honig und Hefe vorzubereiten. Und dann beginnt das Warten. Wenn man im stillen Raum steht und nur das leise ‚Blubbern‘ des Gärspunds hört, weiß man: Da arbeitet die Natur weiter, nur in einer anderen Form. Met braucht Zeit und Geduld, genau wie die Bienen. Wenn wir dann zu Weihnachten oder an einem kalten Winterabend die erste Flasche öffnen und die Aromen der Sommerblüten als Wein schmecken – das wärmt nicht nur den Magen, sondern auch die Seele.“

Klaus (38) aus Schärding (Innviertel) - Die Veredelung des Sommers
Klaus (38) aus Schärding (Innviertel) – Die Veredelung des Sommers

“Honig im Glas ist wunderbar, aber Met ist für mich die Veredelung des Sommers.”

Die süße Kunst der Verwandlung

Verena (33) aus Wels-Land, darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Für Verena ist der Honig erst der Anfang. Ihre Leidenschaft beginnt dort, wo die Bienen ihre Arbeit getan haben: in der Küche, die sie liebevoll ihre „Genuss-Werkstatt“ nennt.

„Honig pur ist schon ein Geschenk, aber ich liebe es, mit den Aromen zu spielen. Es ist wie Malen mit Geschmack. Ich rühre knackige Haselnüsse oder Mandeln in den cremigen Blütenhonig oder sorge mit frischem Himbeermus für eine fruchtige Explosion im Glas. Aber meine absolute Königsdisziplin ist der ‚Torrone‘, mein eigener Türkischer Honig. Das ist echte Handarbeit: Den Honig genau richtig erhitzen, den Eischnee schlagen und die Nüsse unterheben – das erfordert Geduld und das richtige Gefühl für die Temperatur. Wenn ich dann diesen weißen, süßen Block schneide und sehe, wie die Leute beim Probieren die Augen schließen, ist das für mich das größte Kompliment. Es ist nicht nur Honig, es ist ein Stück Lebensfreude, das ich neu interpretiere.“

Verena (33) aus Wels-Land - Die süße Kunst der Verwandlung
Verena (33) aus Wels-Land – Die süße Kunst der Verwandlung

“Es ist nicht nur Honig, es ist ein Stück Lebensfreude, das ich neu interpretiere.”

Gemeinsam wachsen: Die Schulbank drücken

Markus (40) und Julia (52) aus dem Zentralraum, darum macht Imkern glücklich: Stimmen aus Oberösterreich

Was alle Imkerinnen und Imker verbindet, egal ob Jungimker oder alter Hase, ist die Neugier. Für Markus und Julia ist der regelmäßige Weg in die Imkerschule nach Linz fester Bestandteil ihres Hobbys.

„Man lernt beim Imkern nie aus, das ist das Schöne. Die Imkerschule ist für uns wie ein zweites Zuhause geworden. Letzte Woche saßen wir im Kurs zur ‚Varroa-Bekämpfung‘. Das ist ein ernstes Thema, da rauchen die Köpfe, weil wir alle wollen, dass unsere Völker gesund bleiben. Man tauscht sich über die neuesten Methoden aus und unterstützt sich gegenseitig bei Problemen. Aber es gibt auch die andere, genussvolle Seite: Gestern haben wir gelernt, wie man Oxymel herstellt – diesen uralten Sauerhonig-Trunk aus Honig, Essig und Kräutern. Da stehst du dann gemeinsam in der Kursküche, rührst, kostest und lachst. Diese Mischung aus Verantwortung für das Tier und der Freude am Veredeln, das macht die Kurse in Linz so wertvoll. Man geht immer klüger und motivierter nach Hause, als man gekommen ist.“

Markus (40) und Julia (52) aus dem Zentralraum - Gemeinsam wachsen: Die Schulbank drücken
Markus (40) und Julia (52) aus dem Zentralraum – Gemeinsam wachsen: Die Schulbank drücken

“Man geht immer klüger und motivierter nach Hause, als man gekommen ist.”

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