Welche Pflanzen liefern unseren Bienen Nektar und Pollen — und wann genau?
Mit dem neuen Trachtpflanzen-Atlas auf bzv-ooe.at können Imkerinnen und Imker erstmals systematisch nachschlagen, welche Trachtpflanzen sich hinter den offiziellen Schlagnutzungsarten des AMA-Mehrfachantrags verbergen.
Wenn man auf einen Acker schaut, sieht man Raps, Sonnenblumen oder Klee. Was die Statistik daraus macht, ist ein nüchterner Code: „Winterraps“, „Sonnenblumen“, „Phacelia“, „Sonstige Ackerkulturen“. Diese Schlagnutzungsarten — kurz SNAR — werden österreichweit im Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem INVEKOS erfasst. Welche davon für die Bienen tatsächlich relevant sind, hat bisher niemand systematisch zusammengeführt.
273 Schlagnutzungsarten — imkerlich bewertet
Der OÖ Landesverband für Bienenzucht hat sämtliche 273 Schlagnutzungsarten des Mehrfachantrags 2025 nach imkerlichen Kriterien aufbereitet. Jede Pflanzenart erhält eine Bewertung in vier Dimensionen:
- Nektarwert auf einer Skala von 0 (keine Tracht) bis 4 (Massentracht)
- Pollenwert auf derselben Skala
- Blühzeitraum im Jahresverlauf
- Tracht-Typ (Frühjahrs-, Sommer-, Spätsommertracht oder Pollenmassentracht)
Die Bewertung stützt sich auf die einschlägige imkerliche Fachliteratur — Pritsch, Maurizio, das Bieneninstitut der AGES — sowie die langjährigen Erfahrungswerte aus unserer Imkerschule. Auch die ÖPUL-Codes wie BHG (Blühpflanzen), DIV (Biodiversitätsflächen) oder die Begrünungsvarianten 1 bis 7 sind als Trachtwert-Modifikatoren berücksichtigt.
Vier Ansichten für die imkerliche Praxis
Der Atlas bietet vier interaktive Ansichten:
- Eine filterbare Tabelle mit Volltextsuche, Eingrenzung nach Feldstücknutzung, Mindest-Trachtwert oder Blühmonat — wer wissen will, was im Mai mindestens Trachtwert 5 liefert, hat die Antwort in zwei Klicks.
- Ein Blühkalender, der das Trachtangebot grafisch über das Jahr legt und Trachtlücken sichtbar macht.
- Eine Übersicht der ÖPUL-Codes und Begrünungsvarianten, die den Trachtwert eines Schlages oft entscheidend verändern.
- Eine Methodik-Seite mit Skalen-Erklärung, Interpretationshinweisen und vollständigen Quellenangaben.
Wofür das nützlich ist
Der Atlas ist kein Ersatz für die Trachtbeobachtung am eigenen Bienenstand — Witterung, Bodenverhältnisse und Bewirtschaftungsintensität bleiben standortabhängig. Aber er hilft beim Einschätzen der Trachtsituation in einer Region, beim Erkennen von Trachtlücken im Bienenjahr und bei der Aufklärungsarbeit gegenüber Landwirtschaft, Schulen und Politik. Wer zum Beispiel einer Gemeinde erläutern möchte, warum Heckenstreifen, Streuobstbäume oder Begrünungen mit BHG-Mischungen für die Bienen wertvoll sind, findet im Atlas die fachliche Untermauerung.
Frei verwendbar — Open Data
Sowohl die Datenbasis der Agrarmarkt Austria (Lizenz CC-BY-AT 4.0) als auch unsere imkerliche Bewertung (Lizenz CC-BY 4.0) stehen unter freien Creative-Commons-Lizenzen. Andere Imkereiverbände, Bildungseinrichtungen oder Forschungsprojekte dürfen den Atlas und die zugrundeliegenden Daten unter Quellenangabe weiternutzen, einbetten oder weiterentwickeln. Wir freuen uns über Hinweise zur Vervollständigung und über Rückmeldungen aus der imkerlichen Praxis.
Den Atlas ausprobieren
Der Trachtpflanzen-Atlas ist ab sofort online verfügbar:
Die Auswertung wurde im Rahmen der Digitalisierungsinitiative des OÖ Landesverbandes für Bienenzucht erstellt. Datengrundlage: Agrarmarkt Austria, INVEKOS 2025, Mehrfachantrag-Übersicht V7. Imkerliche Bewertung: OÖ Landesverband für Bienenzucht.
